commune survivor


2017-06-16

Dann wurde ich Getränkeminister.

Der Gärter versprach, den Transporter fürs Getränkeholen auszuleihen, was natürlich nicht eintrat. Trotz Absprache war er unterwegs, oder es ging dann doch nicht. Ist eben Kommune. Schliesslichh gab ich die Absprachen auf und fuhr lieber öfters mit dem PKW. Wir (das schlupft mir manchmal noch raus, ich meine damit die Kommune, die ich überlebt habe.) } fts fehlt im Moment {f

Das Herausstechenste an den Gärtnern war, dass sie jede Menge Hilfe bekamen, selber jedoch kein bisschen halfen. Also eigenlich wie im Kapitalismus - nur das man so was in einer Kommune nicht erwartet hätte, und dass sie ohne Probleme damit durchkamen. Der Spruch dazu: "Schomal n Gärtner aufm Bau gesehen"

Eine Auswirkung der offenen Kasse war die Bier-Flatrate: Ich als Diensthabender würde immer Bier auffüllen, egal, wieviel getrunken würde.

Eines Tages bat ich um Trennung von leeren und vollen Flaschen, linke Wand - volle Kisten, rechte Wand - leere Kisten. Dadurch würde ich mir das aufwändige Auseinandersortieren sparen. Ich beschriftete die 2 Seiten, erzählte es 3x beim Plenum, installierte Licht. Keine Chance. Die Kommune war disziplin- und verstandesmässig nicht in der Lage, volle und leere Flaschen zu unterscheiden. Alles Flaschen.

Paul Eschlo war ein Vorzeige-Kommune. Einen Bart, lang, unbeschnitten, zerfasert. Gefärbt vom Nikotin und nicht ganz frei von Speiseresten. "Schon allein wegen seiner Stimme hiess es bei einer extra-schnellen Aufnahme. Tatsächlich war er gross und schwer, Kettenraucher und Schnapstrinker, optimal für die Stimme.

Am Ende meiner Zeit hatte er grosses Gewicht im Plenum, obwohl sich sein Denken im bodenlos niedrigem Niveau aufhielt.

Wenn ich den Speiseraum betrat, konnte ich ihn riechen, selbst wenn er in einer hinteren Ecke sass. Er gehörte zur Wenig-Dusch-Fraktion (aus ökologischen Gründen)

Einer seiner Gesprächsbeiträge war, die Bettwäsche doch bei bekannten Gästen nicht zu wechseln, um Arbeit zu sparen. Es kam kein Einwand. Auch von mir nicht, ich war gerade woanders und dachte, dass sowaws für eine Kommune halt typisch ist.

Eschlo fiel zunächst auf, als er bei meiner Baustelle einfach wegblieb (sah sich als Anarchist), dennoch bei seinen Baustellen wie ein Rohrspatz schimpfte, wenn Andere das taten. Nicht ganz durchdacht, seine Haltung.

Dennoch kam ihm oft Sympathie entgegen, weil er alt war und geschickt den Naiven geben konnte.

Irgendwie schaffte er es, Anarchie (keine Regeln) als ernstzunehmende Richtung einzubringen und zu verfolgen. Nach dem Prinzip "das niedrigste Niveau setzt sich durch" ekelte er etliche Regel-Befürworter raus aus der Gemeinschaft.